Eindrücke #1

Ein paar Bilder, die ein wenig dokumentieren, welche Arbeit ich im leeren raum e.V. in Kleve gemacht habe. Dieses Projekt aus dem Jahr 2015 trug den Titel: „Wenn Kunst die Welt verändern kann, muss ich es nicht tun“ und wurde vom Fonds Soziokultur gefördert und durch das Theater im Fluss möglich gemacht. Es war mein erstes biografisches Theaterprojekt und ich bin immer noch sehr dankbar für das Vertrauen, welches mir, Marie Richter, Andreas Giese, Eva Bühnen, Laura van Meurs, Selina Koenen und Mikula Schulz entgegengebracht haben. Eine wundervolle Erinnerung! Die Fotos stammen von Jana Kathrin vom Fotostudio Peschges, Kleve.

In dem Projekt, welches über ein gutes halbes Jahr in den Räumen des Theater im Fluss statt fand, wendeten wir uns der Frage zu, was wir wohl für veränderungsnötig hielten und in wie weit wir, mit den Mitteln der Künste, dazu beitragen könnten. Das Ergebnis war viel persönlicher, als der Titel ggf. vermuten lässt. Ein großer Bestandteil der Arbeit, war das gemeinsame Reflektieren über die jeweilige persönliche Lebenssituation und daran angeschlossen ein von mir angeleiteter Prozess zur ästhetischen Artikulation der gewonnen Erkenntnisse. Mir war bei diesem Projekt sehr wichtig, nicht ideologisch zu werden, oder dem Publikum fordernd und erklärend gegenüber zu treten, sondern an persönlichen Beispielen Reflexionen beim Zuschauer anzuregen. Somit gab es letztlich keine gemeinsame Haltung zu tagespolitischen Themen, sondern Einblicke in die Gedankenwelt und das Problembewusstsein eines kleinen Teils der damaligen Klever Jugend.

Ich schrieb über dieses Projekt meine Abschlussarbeit der Grundlagenausbildung am Off-Theater. Von da an war also das biografische Theater meine Nische, in der ich meine Leidenschaft des Reflektierens von Erlebten nachgehen und zum Gegenstand meiner Arbeit machen konnte. Die Gruppe zeigte einerseits durch die entstandene Dynamik und das Vertrauen, das es mir gelungen war, einen Freiraum zu schaffen, in dem jeder gefahrlos Schwäche zulassen konnte und teilweise Dinge zum Thema machen konnte, die sonst eher nicht den Weg in eine Theatergruppe finden. Ich denke, dass vor allem meine Zurückhaltung in der Bewertung oder persönlichen Meinung hierzu beigetragen hat. Allerdings artikulierte sich hier auch ein Konflikt, den ich noch immer nicht wirklich gelöst habe: in solchen Projekten kann es zu Aussagen kommen, die nicht meiner sonst vertretenen Ansicht entsprechen. Dies zu ertragen, oder Gefahr zu laufen, mit den Aussagen der Teilnehmer gleichgesetzt zu werden, ist wirklich nicht leicht. Vor allem in Zeiten wie diesen, in denen ich mich täglich sehr leidenschaftlich mit der ganzen Welt streiten könnte.

Tatsächlich wich ich in den folgenden Projekten diesem Konflikten aus und entschied mich für unverfänglichere Themen, die noch subjektiver waren. Vor allem Methode und Form waren es, auf was ich mich konzentrierte. Aber bis heute tu ich mich sehr schwer, politisches im Theater, sei es mit Jugendlichen oder Solo, zu thematisieren. Ich kann mich viel entspannter und freier mit Themen auseinandersetzen, die erst durch eine empathische Übertragung des Zuschauers auf sich selbst eine Funktion erfüllen. Zu diesem letzten Aspekt und den angesprochenen Konflikt, werde ich mich in einem anderen post äußern. Es gibt einiges hierzu zu schreiben und zu denken. Die große Frage zum jetzigen Zeitpunkt meiner Arbeit lautet nämlich: mach ich politisches oder biografisches Theater und was hat wodurch seine Berechtigung? Welche Formen sind wirklich noch interessant, oder ist es womöglich wie mit allen Künsten: alles schon gemacht, das wenigste ist wirklich bahnbrechend und Artivism nervt. Tut er wirklich.

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